Nur die Spitze des Eisbergs

Nach schmackhaften Saiten mit Filsenbergweckle und eingängiger Gitarrenmusik von Michi Eißler wurde den ca. 70 Männern vom  Referenten des 20. Öschinger Männervespers am 10. März 2016, Prof. Dr. Kurt Möller von der Hochschule Esslingen – der seit 30 Jahren auf dem Gebiet des Rechtsextremismus, vornehmlich bei Jugendlichen, forscht und insoweit als einer der besten Sachkenner gilt - wahrhaft keine leichte Kost  zum Thema geboten: Was heißt hier rechts., … ich bin doch nicht extrem.

Im 1. Abschnitt (Erkenntnisse und Erscheinungsweise von Rechtsextremismus und -populismus) stellte er mit einer Vielzahl von Daten, Tabellen, Kurven und Fakten aus seiner Forschungstätigkeit das rechtsextreme Personenpotential dar. Er verwies auf die beängstigende Entwicklung rechtsextremer Straf- und Gewalttaten, einschließlich der zugrundeliegenden Einstellungen – im Übrigen mit einem außerordentlich hohen Männeranteil; dass Baden-Württemberg da kaum besser dasteht, als die östlichen Bundesländer, überraschte ebenso, wie das Wahlverhalten – mehr als 20 % wählen die  beiden Volksparteien CDU und SPD. In diesem Zusammenhang verwies er auch auf zunehmende Wahlerfolge der Rechtspopulisten, vornehmlich auch der AfD bei den 3  anstehenden Landtagswahlen; wobei ein Grund für das wiederholte temporäre Auftreten dieser Phänomene (siehe z.B. NPD, Republikaner) die fehlende Bekämpfung des Gedankenguts sei. Abschließend verglich er die Gefahr des Rechtsextremismus mit einem Eisberg – von dem nur 1/7 sichtbar, dagegen 6/7 unsichtbar sind. Nahezu gleich einer mathematischen Formel  REX = Uvo + GAK stellte er weiter dar, wie Rechtsextremismus feststellbar ist, anhand von  6 Aspekten:  Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Nationalismus, Befürwortung ausländischer Diktaturen und Verharmlosung des Nationalsozialismus, in jüngster Zeit ergänzt um  Islamfeindlichkeit und Asylgegnerschaft.

Im 2. Abschnitt (Ursachen) zeigt er wiederum belegt mit Fakten aus seiner 30 jährigen Forschungstätigkeit die Gründe im Einzelnen auf, wie und warum gerade Jugendliche rechtsextrem werden und dass leider in der Gesellschaft, in Schule und Familien ebenso in Parteien  dagegen viel zu wenig unternommen wird - z.B. gegen Perspektivlosigkeit, Sinnvakuum und Integrationsprobleme Jugendlicher.
Angesichts dessen bräuchten Jugendliche – so der Referent im 3. Abschnitt (Schlussfolgerungen) unter Verweis auf den „L-e-g-o“stein -  insbesondere mehr  Lebensgestaltung und -orientierung.
Im Rahmen der abschließenden Diskussion wurden u.a. von einem Besucher durchaus empört die zu sehr auf der Vergangenheit basierenden Ausführungen des Referenten und der fehlende, hinreichende aktuelle Bezug des angekündigten Themas zur AfD einschließlich der anstehenden Wahlen und den Ängsten im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise bemängelt.