Burnout - Leben im Gleichgewicht


Wie schnell die Anforderungen an die Belastbarkeit, vor allem im Job, Männer „aus dem Gleichgewicht“ geraten und in Lebenskrisen kommen lassen, machte nach dem erneut schmackhaften gemeinsamen Vesper beim 17. Öschinger Männervesper am 12. März 2015 im gutbesetzten  Gemeindehaus

der Referent,  Horst Haar - Sozialpädagoge mit Bodenhaftung und langjähriger, vielfältiger Therapieerfahrung in der  Diakonie; daneben auch Synodaler unseres Kirchenbezirks - am Beispiel eines guten Freundes deutlich: Oft unbemerkt ist “der Akku leer“, nehmen Versagensängste überhand, wird der Berufsalltag zur Tretmühle; das geforderte Tempo - immer schneller, höher und besser - ist nicht mehr durchzuhalten; gerade Hochengagierte und -begeisterte werden den Leistungsanforderungen nicht mehr gerecht, oft die, die nicht „nein sagen“ können, die sich mit anderen vergleichen („der schafft das doch auch“) und häufig mit zunehmendem Alter und wg. Vergleichen mit  Jüngeren (gerade im Zeitalter des PC und IT) - und viele geraten dabei unweigerlich aus dem Gleichgewicht und an die eigenen Grenzen.
Anhand einer ganzen Reihe von Kriterien stellte Horst Haar sodann typische Syndrome des burnout - der erst seit Anfang der 80er zunehmend bekannt geworden, aber immer noch nicht als Krankheit anerkannt ist - beispielhaft dar, verwies auch auf Prominente, Politiker und Sportler wie Tim Mälzer, Matthias Platzeck oder Sebastian Deisler - und zeigte die Folgen  auf, die nach Ängsten und Rückzug häufig in schweren körperlichen Nöten (Schlafstörungen, Tinnitus)  bis hin zu suizidalen Gedanken enden.
Am Beispiel eines Gummis, der seine Spannkraft verliert und eines Akkus, der sich nicht mehr aufladen lässt, führte er dann in die Phase 1 einer burnout-Gefährdungscheckliste ein; in der Phase 2 lässt u.a. das Engagement spürbar nach, die Phase 3 folgt mit depressiven, oft auch aggressiven Gefühlen - bester Indikator dabei ist die Ehefrau, die das i.d.R. als erste merkt - wobei sich beide Phasen 2 und 3 über Jahre hinziehen können bis sich  dann die gefährliche 4. Phase mit oft dauerhaften und ernsthaften körperlichen Folgen einstellt.

Horst Haar machte deutlich, dass nicht erst dann, aber jedenfalls spätestens dann, professionelle Hilfe unabdingbar ist - häufig als Therapie, oft  auch als (längere) stationäre psychosomatische Behandlung - um die Seele wieder zur Ruhe kommen zu lassen. Wichtig sei auch, orientiert am biblischem Menschenbild, deutlich zu machen, dass der Mensch auch versagen dürfe, und dennoch vor Gott (und Menschen) bestehen könne. Mit einem Fragebogen konnte noch jeder mit Wertigkeiten von 1 - 6 den Versuch starten und testen ob und in welchem Maße er aktuell burnout-gefährdet ist.
In der anschließenden Fragerunde kamen interessante Problembereiche wie die genetische Dispositionen des burnout und weitere häufige  Lebenskrisen nach Scheidung, familiären Problemen oder Arbeitslosigkeit zur Sprache - aber auch die Bedeutung des Sonntags - um die Seele wieder zur Ruhe kommen zu lassen.

Mit einem Schlussgedanken von Dietrich Bonhoeffer - „Man muss sich durch die kleinen Gedanken, die einen ärgern, immer wieder hindurchfinden zu den großen Gedanken, die einen stärken“ -  machte  Horst Haar Mut - zum Leben im Gleichgewicht, gerade auch als Christen, als “geliebte Kinder Gottes“.

 

Text: J. Schneider

Bilder: R. Ullmann