Der Islam in Deutschland

Nach einem wie gewohnt schmackhaften - allerdings eher deftig schwäbischen als islamischen - Vesper (Kassler von der Metzgerei Grießhaber mit Sauerkraut) wunderte sich zwar am Donnerstag, 17.10.2013 beim 14. Männervesper zunächst mancher im wieder gut gefüllten Saal im Gemeindehaus, dass nicht wie angekündigt der - leider erkrankte - Referent Dr. Hanna Josua, sondern seine Frau Heidi Josua am Podium stand.

Nach orientalischer Musik führte sie mit Bildern, vielen aktuellen Beispielen und informativen Grafiken in die ganze Breite des Islam mitsamt den vielfältigen Unterschieden ein und illustrierte die gravierenden Veränderungen - leider einschließlich vieler Brüche - von den ersten Gastarbeitern der 60er Jahre bis zur sog. Enkelgeneration, auch anhand Beispielen führender Politiker wie Bilkay Öney, unserer Integrationsministerin (SPD) und Cem Özdemir von den Grünen.

Schnell wurde deutlich, dass auch mit ihr - ebenso wie ihr Mann Mitarbeiterin in der Evangelischen Ausländerseelsorge e.V. in der Evangelischen Landeskirche Württemberg - eine überaus profunde Kennerin des Islam in Theorie und Praxis gekommen war;  auch als sie aufzeigte, dass es den  typischen Muslim ebenso wenig gibt, wie eine einheitliche Organisation der fast 4 Millionen (damit etwa 5 %)  Muslime in Deutschland -  übrigens auch nicht in der Türkei, dem Herkunftsland fast aller von der DITIP (dem größten Dachverband der Muslime in Deutschland) zu uns gesandten Imame, die Integrationsbemühungen leider meist wenig unterstützen. Insoweit war auch anhand die Darstellung der unterschiedlichen ethnischen und religiösen Profile der hier lebenden Muslime und des breiten Spektrums des Islam höchst eindrucksvoll - einerseits vom bekannten Hassprediger  und Salafisten, dem Kölner  Konvertiten Pierre Vogel, der mit extremistischem und frauenfeindlichem Gedankengut  junge Menschen massenhaft anzieht - andererseits z. Bsp. zu Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, vom  Zentrum für islamische Theologie der Uni Münster.

Mit Zitaten aus dessen Buch „Islam ist Barmherzigkeit“ zeigte sei beispielhaft  die ganz andere Seite des Islam, auch die höchst unterschiedliche Auslegung des Koran auf. Frau Josua wies auch auf die Bedeutung des Dialogs mit dem Islam hin; man  müsse vor allem zuerst hören, was der andere sagt, weg von allen Etiketten und Vorurteilen. Mit Beispielen berichtete sie von Begegnungen zwischen Christen und Muslimen, auch dass auf politischer Ebene dieser Dialog viel besser funktioniere als auf theologi-scher/religiöser, aber auch gesellschaftlicher Ebene,  machte aber auch deutlich, dass gerade im Dialog  in der Person weithin Jesu unüberbrückbare Unterschiede verblieben.           In der Diskussion wurde überwiegend  die Skepsis gegenüber einem  (insbes. militanten) Islam deutlich, gerade in der radikalen Ablehnung der Person Jesu. Dies bestätigte Frau Josua, verwies aber darauf, dass auch insoweit gerade Christen bei Jesus selbst lernen sollten, der nicht gestritten, sondern „herbeigeliebt“ habe. Unter Verweis auf 1. Mose 1, 27 (Ebenbildlichkeit Gottes von Mann und Frau) zeigte sie auch das große Defizit  der Frau und des Frauenbilds im Islam auf. Die aktuellen politischen Auseinandersetzungen im sog. arabischen Frühling wurden abschließend exemplarisch deutlich, als Frau Josua die jüngsten Rachefeldzüge der  Islamisten in Ägypten gegen koptische Christen im August 2013 mit zig Toten, brennenden Kirchen und geplünderten Schulen schilderte - insbesondere aber deren Reaktion,  die nicht Zurückschlagen und Gegengewalt predigten, vielmehr für die Islamisten beteten;  deshalb ihr eindringlicher  Apell: Muslime sollen wir keinesfalls mit Angst begegnen, sondern die Muslime als Menschen die Liebe Jesu spüren lassen.

Zum Abschluss dankte Siegfried Hornung herzlich für den höchst informativen Abend und gab Frau Josua die besten Genesungswünsche an ihren Mann mit auf den Heimweg nach Weissach im Tal.