Herzog Ulrich

 

 

 

Herzog Ulrich kann im Mai 1534 sein Herzogtum Württemberg mit Waffengewalt zurückerobern. Wenige Tage später lässt er in Stuttgart einen evangelischen Gottesdienst feiern und danach im Land planmäßig die Reformation einführen. Doch schon vorher waren viele Herzen für die reformatorischen Gedanken gewonnen.

Zuerst war Herzog Ulrich ein schwieriger Mensch, der ohne Eltern aufwuchs und erst nach erwiesener Unfähigkeit von Herzog Eberhard II. (1498 durch Kaiser Maximilian abgesetzt) als künftiger Herzog aufrückte.
Nach einigen Fehltritten brachte Herzog Ulrich im Januar 1519 das Fass zum Überlaufen. Noch während der Trauerfeierlichkeiten für den Kaiser ließ der Herzog seine Truppen gegen die freie Reichsstadt Reutlingen aufmarschieren. Er eroberte die Stadt. Der Schwäbische Bund, der Fürst von Bayern und die Habsburger vertrieben mit vereinten Kräften den Landfriedensbrecher (1519). Doch in der Fremde kam der Herzog zur Besinnung und wandte sich der Reformation zu.
Während Herzog Ulrich im Exil lebte, kam es zu nachhaltigen Veränderungen in den südwestdeutschen Reichsstädten. In Reutlingen trat 1521 der Prädikant Matthäus Alber seinen Dienst an und gewann mit seinen lutherischen Predigten viele Herzen. In Schwäbisch Hall mit seinem großen Stadtgebiet wirkte seit 1523 der Prädikant Johannes Brenz (1499 – 1570). Auch ihm gelang es in vielen kleinen Schritten, die Reformation im Sinne Luthers einzuführen. Ähnlich ging es in Heilbronn, in Ulm und in Esslingen. Nach Abschluss der Reformationen in den Reichsstädten schrieb Ambrosius Blarer an Heinrich Bullinger im Jahre 1533: „Um die schwäbischen Kirchen steht es ziemlich gut“. Diese Reformation von unten hat die Herzen der Menschen gewonnen. Aus Überzeugung sind große Teile der Bevölkerung zum evangelischen Glauben übergetreten. Weil die Reichsstädte einen Einfluss auf das umliegende Land ausübten, haben sie den Weg für das Kommende vorbereitet.

Landgraf Philipp von Hessen bereitete die Rückeroberung Württembergs für seinen Vetter, Herzog Ulrich, vor und schmiedete eine ungewöhnliche Koalition. Der französische König und der Herzog von Bayern unterstützten finanziell diesen Feldzug. Auf Betreiben des Landgrafen Philipp wurde im Februar 1534 der Schwäbische Bund aufgelöst. Damit war eine militärische Macht auf dem Verhandlungswege beseitigt. Die freien Reichsstädte Heilbronn, Esslingen und Straßburg sagten Hilfe zu.
Als im Mai 1534 die habsburgischen Truppen im Mittelmeerraum und König Ferdinand in Ungarn gebunden waren, konnte das Unternehmen gelingen. Die feindlichen Heere trafen bei Lauffen am Neckar aufeinander. Am 12. Mai kämpften Reitergruppen ohne Entscheidung miteinander. Doch eine der ersten hessischen Kanonenkugeln traf den Befehlshaber der Habsburger.
Am folgenden Tag zogen sich die habsburgischen Truppen zurück, durch den Verlust ihres Befehlshabers verunsichert. Philipp von Hessen erkannte die Gunst der Stunde. Er setzte seine Reitertruppen ein. Das Heer der Besatzer begann zu fliehen. Schnell war die Ordnung dahin. Der Sieg war errungen, ohne dass es zu einer wirklichen Schlacht kam. Mit großem Jubel wurde der Herzog in Stuttgart begrüßt. Die Einführung der Reformation war zwar eine Anweisung der Obrigkeit, aber diese Reformation von oben entsprach dem Willen der Bevölkerungsmehrheit. Die Reformation in Württemberg stand unter dem Motto: „Gottes Wort bleibt in Ewigkeit.“


Pfr. S. Lämmer