Christian Adam Dann (1758-1837)

C. A. Dann, ein führender Vertreter des württembergischen Pietismus und der Erweckungsbewegung,  wurde am 24. Dezember 1758 in Tübingen geboren; sein Vater war von 1752 bis 1790 hier Bürgermeister. Nach dem Theologiestudium in Tübingen war Dann 1793 als 2. Diakonus in Göppingen und 1794 als Diakonus an St. Leonhard in Stuttgart tätig. In den Jahren von 1800 bis 1812 hatte Dann das Pfarramt an der Hospitalkirche in Stuttgart inne. Wegen seiner Kritik am Stuttgarter Hof- und Theaterleben fiel Dann in Ungnade. Eine ihm angebotene Dekansstelle in Weinsberg nahm er nicht an; stattdessen wurde er 1812 auf die Pfarrstelle in Öschingen berufen. Hier versah er sein Amt bis zu seinem Wechsel auf die Pfarrstelle in Mössingen im Jahre 1819. Einige Jahre später, 1824,  wurde er 1. Diakonus an der Stuttgarter Stiftskirche, und von 1825 bis zu seinem Tode versah er das Pfarramt an St. Leonhard in Stuttgart.

Dann heiratete 1798 Christiane Marie Luise Finner (geb. 1769). Sie starb 1817 in Öschingen an einer Tyhus-Erkrankung. Ihr Grab ist nicht mehr erhalten.

Pfarrer Dann hat sich durch zahlreiche meist erbauliche theologische Schriften., von denen sich viele an Konfirmanden richteten, und die Korrespondenz mit vielen bedeutenden Theologen einen Namen gemacht. Seine Predigten zogen viele Hörer aus nah und fern an. Mit zwei kleinen Schriften aus den Jahren 1822 und 1833 gilt er als der geistige Begründer des Tierschutzes in Deutschland.

Weiterführende Literatur:
Hans-Martin Schneider/Helmut Veitshans: 250 Jahre Altpietistische Gemeinschaft in Öschingen (1996), S. 52-66; Martin H. Jung: Die Anfänge der deutschen Tierschutzbewegung im 19. Jahrhundert, in: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte, Jg. 56 (1997), S. 205-239.

"Bitte der armen Thiere, der unvernünftigen Geschöpfe....."

„Bitte der armen Thiere, der unvernünftigen Geschöpfe, an ihre vernünftigen Mitgeschöpfe und Herrn die Menschen“

Unter diesem Titel erschien im Jahre 1822 in Tübingen im Verlag von Fues eine kleine, nur 44 Seiten umfassende Schrift des Mössinger Pfarrers Christian Adam DANN (1758-1837), die wegweisend wurde für die Begründung und praktische Umsetzung des Tierschutzgedankens in Deutschland. Nur wenige Monate nach Danns Tod entstand im Winter 1837/38  in Stuttgart durch die Initiative von dessen Freund und Mitstreiter, dem Pfarrer und Liederdichter Albert Knapp (1798-1864), der erste deutsche Tierschutzverein.

Pfarrer Dann wurde vor nunmehr 250 Jahren, am 24. Dezember 1758, in Tübingen als Sohn des langjährigen Bürgermeisters der Universitätsstadt, Jakob Heinrich Dann (1720-1790), geboren. Er studierte hier Theologie, gehörte dem Evangelischen Stift an und hatte nach seinem Studium fünf Jahre lang das Amt eines Stiftsrepetenten inne. Anschließend war Dann 1793 als 2. Diakonus in Göppingen und 1794 als Diakonus an St. Leonhard in Stuttgart tätig. In den Jahren von 1800 bis 1812 hatte Dann das Pfarramt an der Hospitalkirche in Stuttgart inne.

In Ungnade fiel Dann im Jahre 1812, als er in einer Leichenpredigt auf den damals sehr bekannten Stuttgarter Schauspieler Weberling auf heftige Weise das Theaterleben und die Moral in der Hauptstadt kritisierte. Auf Betreiben des hierüber verärgerten König Friedrichs I. musste Dann seine Pfarrstelle in Stuttgart verlassen. Da er eine ihm angebotene Dekansstelle in Weinsberg ablehnte, wurde er auf die Pfarrstelle in dem damals sehr abgelegenen kleinen Dorf Öschingen (Dekanat Tübingen) versetzt. Seine Predigten erfreuten sich hier wie später in Mössingen eines großen Zulaufs auch von außerhalb, sogar Studenten aus Tübingen scheuten den langen Weg nicht, um ihn zu hören. Die Universitätsbibliothek Tübingen besitzt einen Band mit 71 akkuraten Predigtnachschriften junger Predigthörerinnen aus der Öschinger Zeit. Danns Wirken hinterließ mannigfache Spuren in der Gemeinde, nicht zuletzt darin, dass er zum Neubau der Öschinger Kirche 1813 ein Sechstel der Bausumme aus seinem eigenen Vermögen beisteuerte. Seit 1798 war Dann mit Christiane Marie Luise Finner (geb. 1769) verheiratet. Sie starb 1817 in Öschingen an einer Typhus-Erkrankung. Ihr Grab ist nicht mehr erhalten.

Im Jahr 1819 wechselte Dann auf die freigewordene Pfarrstelle im benachbarten Mössingen. Auf seinen Spaziergängen in der Natur und durch genaue Beobachtung des dörflichen Lebens hatte er durch eigene Anschauung erfahren, wie durch Mutwillen, Nachlässigkeit oder alte Gewohnheit immer wieder Tiere gequält und geschunden wurden, vor allem auch in der Landwirtschaft. Dem wollte er mit seinem 1822 veröffentlichten Aufruf Einhalt gebieten. Schon bald (1833) ließ er eine zweite kleine Tierschutzschrift folgen („Nothgedrungener Aufruf an alle Menschen von Nachdenken und Gefühl, zu gemeinschaftlicher Beherzigung und Linderung der unsäglichen Leiden der in unserer Umgebung lebenden Thiere“), die großen Widerhall fand und mehrere Auflagen erfuhr. Seine Auffassung, dass die Tiere als Mitgeschöpfe des Menschen aus christlicher Verantwortung für die gesamte Schöpfung Schutz, Liebe und Schonung erfahren müssten, war gewiss nicht völlig neu, aber sie war doch zu dieser Zeit bei weitem noch nicht Allgemeingut in der Bevölkerung. Auch wandte er sich gegen unnötige Tierversuche. Und er sah einen direkten Zusammenhang zwischen Tierliebe und Menschenliebe. „Ich denke wohl mit Recht, ein an milde Behandlung der Thiere gewöhntes Herz  werde seine Gelindigkeit in höherem Grade auf die bedrängte Menschheit anwenden“ (1833). Dann, der sich „zum Vormund der Thiere aufgerufen“ sah, kann durchaus als Wegbereiter des modernen Tierschutzes angesehen werden, zumal in den folgenden Jahren allmählich auch staatliche Gesetze Tierquälerei unter Strafe stellten. 

Dann verließ Mössingen im Jahre 1824 und wurde zunächst 1. Diakonus an der Stuttgarter Stiftskirche; von 1825 bis zu seinem Tode versah er das Pfarramt an St. Leonhard in Stuttgart. Zeit seines Lebens korrespondierte er mit vielen Theologen wie beispielsweise Johann Kaspar Lavater (1741-1801) in der Schweiz oder dem katholischen Bischof von Regensburg, Johann Michal Sailer (1751-1832). In seinen zahlreichen, meist kleineren und erbaulichen Druckschriften wandte er sich vor allem an die Jugend und die Konfirmanden. Leider gibt es bis heute keine gründliche Biographie Danns, der nicht nur zu den hervorragenden Vertretern der württembergischen Erweckungsbewegung gehört, sondern auch der bekannteste und bedeutendste Pfarrer in Öschingen war.

Empfehlung zum Weiterlesen:
Hans-Martin Schneider/Helmut Veitshans: 250 Jahre Altpietistische Gemeinschaft in Öschingen (1996), S. 52-66; Martin H. Jung: Die Anfänge der deutschen Tierschutzbewegung im 19. Jahrhundert, in: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte, Jg. 56 (1997), S. 205-239

W.L.